Lies mal rein …

 Das Paradies ist voller Mücken!

Hast Du Stress im Job? Nerven Dich Dein Chef und Deine Kollegen? Oder verhalten sich Deine Kinder Deiner Meinung nach völlig daneben? Strapaziert Dein Mann oder Deine Frau Dein Nervenkostüm? Bist Du gerade unzufrieden mit Handwerkern, sonstigen Dienstleistern oder sogar mit Dir selbst, weil Du nichts richtig machen kannst? Reicht das Geld nie aus, welches Dir im Monat zur Verfügung steht? Zieht Dich Dein Vermieter mit der Nebenkostenabrechnung über den Tisch? Schwatzt Dein Nachbar reichlich Unsinn und weiß dabei sowieso immer alles besser? Nimmt Dir ständig jemand die Vorfahrt? Aus welchen Problemen besteht Dein Leben zurzeit?

Unsere schwierigen Lebenssituationen bringen uns in regelmäßigen Abständen gewaltig auf die Palme. Manchmal so, dass wir davon überhaupt nicht mehr abschalten können – geschweige denn in Ruhe schlafen. Anstatt uns in der Nacht vom Tag auszuruhen, denken wir wieder und wieder über unsere Probleme nach. Wir denken an Situationen, die kommen könnten. Wir diskutieren im Kopf mit unserem vermeintlichen Gegner und oft auch stundenlang mit uns selbst. Wir schmieden Pläne, wie wir es dem anderen aber mal so richtig heimzahlen können. Wir stellen Endloslisten auf, mit Dingen, die wir alle noch zu tun haben oder, die wir in Zukunft viel besser machen müssen und fühlen uns dann davon regelrecht überfordert. Wir hadern mit unserer Vergangenheit, entweder, weil die schönen Zeiten unwiderruflich vorbei sind oder, weil Dinge geschehen sind, die besser nicht passiert wären oder nicht von uns hätten getan werden dürfen.

Wir haben Angst vor der Zukunft. Wie leicht können wir alles verlieren? Oder wir warten unglücklich auf unser Glück, auf das Wochenende, die Rente, den Lottogewinn oder darauf, dass unsere Kinder endlich „vernünftig“ werden.

Unser Leben ist nun mal kein Ponyhof, daher ist ein bisschen Hoffnung auf ein besseres Leben in der Zukunft völlig legitim! Die Gesellschaft, die Politiker und die Lobbyisten schaffen auch nur lauter Probleme. Jeder denkt nur an sich und seinen eigenen Vorteil. Die einen sagen, die Umweltschützer haben keinen Plan von der Realität und diese ganze Bio-Bewegung ist doch auch nur Lug und Betrug. Andere behaupten, jeder, der nicht Bio kauft oder vegan isst, spinnt, denn unsere Ressourcen sind bald verbraucht. Ganz zu schweigen von grausamen Kriegen und verhungernden Menschen auf der Welt.

Wir haben Probleme und das ist anstrengend. Wir versuchen alles, um unsere Probleme
oder die Probleme der Welt zu lösen. Oder zumindest davon Abstand zu gewinnen und das damit verbundene Leiden auszugleichen. Wir streben nach Glück durch mehr freie Tage, mehr Geld oder mehr Schlaf. Wir können nur glücklich sein, wenn unsere Kinder, unser Partner, die Nachbarn oder auch die Frau an der Supermarktkasse sich uns gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Wir brauchen es, dass sie uns Anerkennung, Aufmerksamkeit und Respekt zollen. Wir können nur zufrieden leben, wenn wir bestimmte Dinge besitzen oder wenn wir schlank, schön und fit sind. Daher gehen wir in freien Minuten einkaufen, joggen oder zum Schönheitschirurgen.

Wir haben fast immer Recht und tun unsere tugendhafte Meinung lauthals kund, auch, wenn es keiner hören will. Wir hupen im Straßenverkehr, denn die anderen Autofahrer nehmen einfach keine Rücksicht. Das gilt übrigens für die gesamte schlechte Gesellschaft. Die gilt es zu bekämpfen. Besser, wir ziehen uns komplett aus der verrückten Welt zurück. Wie sagte schon Jean Paul Sartre: “Die Hölle, das sind die anderen!“

Wenn es uns nicht gut geht, dann gehen wir zum Arzt. Er muss wissen, was mit uns nicht stimmt! Und dann sollte er schnellstmöglich dafür sorgen, dass es uns wieder besser geht. Wir gehen zum Psychologen, der uns vielleicht wenigstens betätigen kann, dass wir allen Grund dazu haben, zu leiden, bei der schwierigen Kindheit oder sonstigen Leidensgeschichte. Irgendetwas muss uns doch dabei helfen, die Last des Lebens hinter uns zu lassen, um von nun an dauerhaft glücklich zu werden!

Wir probieren es mit positiven Affirmationen, betreiben Yoga oder Qi Gong, bestellen uns Dinge beim Universum, channeln energetische Wesen, meditieren mehr schlecht als recht oder besuchen einen Glücks-Workshop. Mit jeder dieser Maßnahmen hoffen wir, endlich einen Weg zur Lösung unserer zahlreichen Problemen gefunden zu haben. Und am Anfang scheint es oft auch so. Doch immer, wenn wir glauben, dass uns eine dieser Methoden jetzt wirklich dauerhaft Glück und Frieden bringen wird, kreuzt wieder irgendein Problem unseren Weg. Wir bleiben in unseren Lösungsbemühungen stecken und wissen nicht weiter. Das wirft uns regelmäßig quasi in unsere leidende Ausgangssituation zurück. Es scheint, als sei mittlerweile sogar das Paradies voller Mücken.

Wir versuchen wirklich alles, um unsere unsäglichen Probleme zu lösen und glücklich zu leben. Aber in den meisten Fällen stellen wir dabei resigniert fest, dass sich dauerhaft irgendwie gar nichts an unserem Leben ändert. Woran liegt das?

Wenn die Lösung das Problem ist

Wie gehen wir eigentlich grundsätzlich an eine Problemlösung heran? Um diese Frage zu klären, schaffen wir uns doch erst mal eins. Nehmen wir zum Beispiel das „Neun-Punkte Problem“.

Dieses lautet wie folgt: Verbinde alle neun Punkte, die ein Quadrat bilden, mit vier geraden Linien ohne den Stift abzusetzen! Dieses „Problem“ stammt aus der Denkpsychologie und ist unter anderem bekannt geworden durch Paul Watzlawick. Er galt als der Kommunikations-Papst, war Psychotherapeut und Soziologe.

Also, was meinst Du! Wie könnte die Lösung aussehen? Um Dir den Spaß nicht zu verderben, habe ich eine mögliche Lösung an das Ende dieses Buches gesetzt. Aber jetzt nicht schummeln und hinten nachsehen! Denke einfach mal eine Weile über die Lösung des Problems nach, auch wenn es sicherlich aus Deiner Sicht schwierigere Probleme in Deinem Leben zu lösen gilt. Solltest Du diese Aufgabe bereits kennen, dann versuche Dich an Deine damaligen Lösungsversuche zu erinnern.

Du hast die Lösung nicht gefunden? Prima! Es ist hier nämlich gar nicht wichtig, dass Du die richtige Lösung findest. Im Gegenteil! Es geht eher darum, zu verstehen, warum wir oftmals gar nicht auf eine Lösung kommen. Das zeigt uns vieles über unser konditioniertes Denkverhalten. Und genau dieses wollen wir uns ja hier bewusst machen, um in Zukunft Lösungen für unser Leben zu finden, die nicht nur von kurzer Dauer sind.

Ok! Also, dann wirf mal einen Blick auf die Lösung am Ende des Buches. Und? Was sagst Du?

Ich höre Dich gerade bis hier schimpfen: „Ey, wenn ich gewusst hätte, dass ich auch über die neun Punkte hinaus zeichnen darf, dann hätte ich es natürlich auch lösen können!“

Soll ich Dir was sagen: Du hast es gewusst! Kein Mensch hat je gesagt, dass die Linien nicht über die Punkte hinausgehen dürfen. Falls Du mir nicht glaubst, kannst Du gerne eine paar Zeilen zurück springen und Dir die Aufgabenstellung noch einmal durchlesen. Trotzdem haben viele von uns diese Einschränkung beim Lösungsversuch im eigenen Kopf gesetzt. Ich jedenfalls beim ersten Nachdenken! Gehörst Du auch dazu? Oder hast Du von vornherein erst gar nicht über die Lösung nachgedacht, weil Du davon ausgehst, dass Du bei solchen Fragen sowieso nicht auf die Lösung kommst und hast gleich hinten im Buch nachgeschaut oder gar resigniert nicht mal das getan?

Wir leben mit Grenzen im Kopf, die gar nicht da sind. Die nur in uns selbst vorhanden sind. Doch wir halten diese Grenzen für gegeben und für wahr. Sie schränken uns in unserer Problemlösung und in unserem Leben ein, ohne dass wir es bemerken. Und was noch gefährlicher ist: Wir halten diese Einschränkung für die Realität!

Wann immer uns etwas ärgert oder beschäftigt; wir glauben, genau zu wissen, was das Problem ist und wie die Lösung dafür auszusehen hat. Oder wir sind davon überzeugt, dass es keine Lösung gibt. Was eigentlich noch fataler ist, denn dann sind wir scheinbar in einem Dauerproblem gefangen.

Es wird insbesondere dann kritisch für uns, wenn die Lösung des Problems im Verhalten anderer Personen liegt. Wir wissen genau, wie die anderen sich verhalten müssten, damit sich unser Problem löst und wir uns endlich wieder gut fühlen können. Doch sie tun es einfach nicht!

Gehörst Du auch zu den Menschen, die im Leben das Gefühl haben, unter den gegebenen Umständen nicht frei sein zu können?

„Bin ich ja auch nicht! Ich habe einen Job, ich habe eine Familie, ich habe eine Aufgabe, um die ich mich kümmern muss! Das schränkt mich natürlich ein!“

Denken wir noch einmal an das „Neun-Punkte-Problem“ und fragen uns: Könnte es vielleicht sein, dass gar nicht die Realität uns einschränkt, sondern das, was wir über die Realität denken? Welche Geschichte erzählen wir über unsere Realität? Anders gefragt: Wie real ist die Realität?

Falls Du gerade im Stehen lesen solltest, was ich zwar nicht annehme, aber man weiß ja nie, dann möchte ich Dich bitten, Dich jetzt besser zu setzen. Denn das, was ich zu sagen habe, könnte Dein Weltbild komplett auf den Kopf stellen. Meine Aussage lautet: Die Realität, wie Du Sie kennst, ist eine Illusion!

Denkst Du gerade: “Wie? Die mir bekannte Realität ist eine Illusion? Das ist doch totaler Unsinn! Leute! Also, wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich dieses Buch nicht gekauft. So was! Unglaublich! Ich muss mich aufregen! Ich weiß doch, was real ist! Das sagt mir mein gesunder Menschenverstand! Ich bin viel zu clever, als dass mir hier jemand was vormacht!“

Vielleicht denkst Du aber auch: “Wie? Was soll das denn jetzt für eine Überraschung sein! Für diese Erkenntnis soll ich mich setzen? Lächerlich! Das weiß ich doch schon lange! Ist doch nichts Neues. Also, wenn das der einzige Inhalt des Buches ist, dann mal gute Nacht! Das habe ich doch schon tausendmal gehört! Wieder nichts Neues! Alles zusammengeklaut und nur ein bisschen neu aufbereitet! Ich wusste, dass dieses Buch ein Fehlkauf ist!“

Wenn Du an dieser Stelle beschließt, nicht weiter zu lesen, dann ist es auch in Ordnung. Stelle das Buch wieder zurück ins Regal im Buchladen. Falls Du es aus Versehen schon gekauft hast, dann verschenke es einfach mit der Warnung „Ein totaler Fehlkauf“ an einen Freund oder schreibe eine unterirdische Rezession in einem großen Online-Forum. Verschenke es ohne Warnung an einen vermeintlichen Feind: „Hihi! Dieses Buch geschieht ihm recht! Soll er sich doch an diesem Unsinn ärgern! Ich bin es jedenfalls los.“

Falls Du weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe gehörst, möchte ich Dich einladen, eine neue Perspektive auf Dich, auf Deinen Verstand, Dein Leben und die Welt einzunehmen. Vielleicht kannst Du mit Hilfe meiner Ideen schon einmal Gehörtes mit Deinem Kenntnisstand von heute neu überdenken. Oder Du beschäftigst Dich einfach noch einmal mit diesen Themen, um Dich selbst in Deiner Haltung zu bestärken. Im Übrigen gilt für alle Inhalte, die ich Dir hier anbiete: Glaube nicht einfach, was ich sage, sondern überprüfe für Dich allein, ob an meinen Thesen etwas dran sein könnte. Ich erhebe hier weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch auf die umfängliche Wahrheit. Wie ich gerade erwähnt habe: Das, was wir zurzeit für die Realität halten, ist sowieso nur eine Illusion. Also wäre es doch müßig, sich darüber zu streiten!

Darf ich vorstellen: IWAN!

Unsere Werkseinstellung ist von zahlreichen Programmen überlagert. Die ersten Programmierungen dieser Art erhalten wir bereits im Mutterleib. Aus diesen und weiteren im Laufe unseres Lebens erhaltenen Programmen entwickelt sich dann schleichend in uns unser „inneres Wesen“. Man kann auch sagen: Irgendwann schaltet sich unser „inneres Wesen“ (IW) in uns einfach an (AN)! Ist IWAN erst einmal in uns aktiviert, dann hat er einen immensen Einfluss auf unser gesamtes Leben. Es gelingt ihm, unsere ganze Energie und Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten und uns damit vollständig von der Energie unseres Urprogramms abzulenken.

Wäre IWAN ein Virus auf einem Computer, würde er unbemerkt für den Benutzer nach und nach die Funktionen des gesamten Gerätes lahmlegen. Einmal installiert, liefe er dauerhaft im Hintergrund ab und breitete sich von dort auf alle anderen Funktionen aus. Er würde den Hauptteil des Arbeitsspeichers belegen und nach und nach alle auf der Festplatte gespeicherten Grundeinstellungen verändern.

IWAN hat sich unbemerkt in Deinem „Sein“ installiert. Er hat Dich und Dein Leben gänzlich im Griff. Deine von ihm hervorgerufene Grundeinstellung ist der „innere Nicht-Frieden“. Dieser Zustand stellt allerdings nicht das Gegenteil Deiner Werkseinstellung dar, sondern überlagert diese nur so, dass Du Deinen „inneren Frieden“ nicht mehr spüren und wahrnehmen kannst.

IWAN fürchtet sich Zeit seines Lebens davor, dass Du ihn als Virenprogramm erkennst und ihn daraufhin deinstallierst. Diese Angst erzeugt in Dir eine Art Dauerstress, der Deinen „inneren Frieden“ so sehr überlagert, dass Du diesen Urzustand nicht mehr wahrnehmen kannst. IWAN weiß, wenn Du Dich auf Deine Werkseinstellung zurückstellst, dann bedeutet das seinen sicheren Tod. Das ist der Grund, warum Du Dich in Ruhe-Situationen oft unwohl fühlst: Im Stau, beim Warten in der Schlange, bei Stromausfall ohne Unterhaltungsmedien oder auch bei dem Versuch, Deinen „inneren Frieden“ wieder aufzuspüren – zum Beispiel durch Meditation. Da es in diesen „Ruhephasen“ im Außen nichts zu entdecken gibt, haben wir die Möglichkeit, in diesen Situationen nach innen zu gehen. Dabei treffen wir allerdings zunächst auf IWAN und bemerken plötzlich bewusst seine unangenehme innere Unruhe. Diese wird durch unsere Aufmerksamkeit auf ihn noch verstärkt, weil er ungern beobachtet wird. Du hältst dieses unangenehme Gefühl dann vielleicht für Dein persönliches Merkmal der Ungeduld. IWANs Ziel ist es, Dich schnellstmöglich aus dieser Beobachtungssituation heraus zu bekommen. Daher versucht er, Dir glauben zu machen, dass diese spezielle Situation im Außen das Gefühl in Dir verursacht. Folgende Gedanken sendet er Dir aus diesem Grund: „Es sollte jetzt wirklich kein Stau sein!“ Obwohl Du sicher noch nie erlebt hast, dass sich ein Stau deshalb auflöst, weil Du ihn nicht willst, hältst Du an diesem Verhalten fest. Besser gesagt: IWAN hält daran fest.

Für IWAN sollte der Augenblick fast immer anders sein, als er tatsächlich ist. Daraus leiten sich viele seiner Denk-, Gefühls- und Verhaltensweisen ab. IWAN erinnert mich stets an den Ring aus „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien. >> Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden!<< Jeder, der die Geschichte kennt, weiß, dass diejenigen, die mit dem einen Ring einmal in Berührung kamen, von ihm besessen waren. Die Parallelen sind für mich deutlich sichtbar. Ist IWAN erst einmal in uns installiert, bringt er uns tatsächlich unbemerkt in die Knechtschaft. Er zieht uns unaufhörlich in seinen Bann und treibt uns nahezu in den Wahnsinn. Wir werden süchtig nach ihm, ohne es zu merken. Auch wenn es für andere offensichtlich ist, dass die Programme von IWAN unseren Körper, unser Denken und unser Fühlen zerstören. Zwar zeigen pathologische Formen des Verhaltens wie Schizophrenie, Borderline oder Bulimie uns eine Störung auf, die aber aus unserer Sicht betrachtet immer nur mit der krankhaften Veränderung im Anderen zu tun hat und natürlich nichts mit uns selbst. Dass das ebenfalls die pathologische Form unserer eigenen kränklichen Denkstruktur aufzeigen könnte, natürlich in nicht so extremer Form, kommt uns nicht eine Sekunde in den Sinn. Denk dran: „Hölle, das sind die anderen!“

Wie können wir uns von IWAN befreien? So, wie der kleine Hobbit den Ring dem Feuer übergibt, kann es uns vielleicht gelingen, IWAN der Kraft unserer Werkseinstellung zu übergeben. Bist Du bei diesem spannenden Abenteuer als mein Gefährte dabei? Dann auf nach Mordor! Aber mache Dich auf eine anstrengende Reise gefasst.

Die Wahrheit über Deinen „inneren Schweinehund“

Es soll für unser „inneres Wesen“ immer anders sein, als es gerade ist! Ist das nicht der totale Wahnsinn? Glaubt IWAN wirklich, dass er mit einem stressigen Gedanken diesen Moment ändern könnte? Meine Erfahrung ist, dass dieser Moment bleibt, wie er ist, egal wie wir darüber denken. Oder hat es schon jemals deshalb aufgehört zu regnen, weil wir in diesem Moment nicht damit einverstanden sind?

„Aber wenn ich mich in dieser ungewollten Situationen nicht schlecht fühle, stimme ich dann dieser unangenehmen Situation nicht zu?“

Als wenn dieser Moment, der ja nun mal so ist, wie er ist, darauf warten würde, dass wir ihm unsere Zustimmung geben. Ist Dir eigentlich klar, dass daraus auch Dein „innerer Schweinehund“ gestrickt ist? Allerdings anders, als wir es bisher angenommen haben.

Ich sollte mehr Sport treiben! Ich sollte weniger essen! Ich sollte weniger rauchen! Ich sollte früher ins Bett gehen!“

Wer kennt diese Gedanken nicht. Es liegt angeblich an unserem „inneren Schweinehund“, dass wir alle guten Vorsätze, die wir gedanklich beschließen, immer wieder fallen lassen und nicht konsequent in die Tat umsetzen. Und das stimmt auch. Wem haben wir es nämlich zu verdanken, dass wir auf dem Sofa liegen und nichts tun? Im Zweifel IWAN persönlich! Er sendet uns laufend gute Gründe, so zu handeln.

„Es regnet! Da ist es doch nicht Dein ernst, dass Du joggen gehen willst! Komm, wir legen uns aufs Sofa und essen Chips!“

Aber was, wenn wir dann auf dem Sofa sitzen und nicht joggen oder im Fitness-Studio sind? Dann treibt uns IWAN mit der nächsten Variante seiner „Sollte-Gedanken“ in den Wahnsinn: „Du solltest wirklich mehr Sport treiben! Stattdessen liegst Du faul hier herum. Du wirst aber auch immer dicker!“

Das ist für ihn die perfekte Kombination! Unser Dauerstress ist auf diese Weise vorprogrammiert. Dabei ist es erstaunlich zu beobachten, dass wir in keiner Sekunde an unseren Gedanken zweifeln, sondern dass wir unser scheinbar unangepasstes Verhalten für unseren Stress verantwortlich machen. Wir nehmen also an, dass unser Stress tatsächlich dadurch entsteht, dass wir gemütlich auf dem Sofa liegen? Was für eine verrückte Vorstellung!

IWAN offenbart sich uns also als „innerer Schweinehund“, der unser Verhalten im Griff hat. Aber nur aus rein taktischen Gründen. Er will durch diesen kleinen hingeworfenen Gedankenbrocken etwas ganz anderes verschleiern, nämlich, dass Dein Stress nicht aus Deinem derzeitigen Verhalten, sondern aus Deinen Gedanken über Dein Verhalten resultiert. Wenn wir gerade in diesem Moment auf dem Sofa liegen, dann liegen wir gerade in diesem Moment auf dem Sofa. Das ist die Realität! Jedes Auflehnen gegen diesen Augenblick ändert nichts.

„Aber es sollte anders sein, als es in diesem Moment gerade ist!“
Wir sind so auf unsere Verhaltensänderung fixiert, die wir dann zu erreichen glauben, wenn wir unseren „inneren Schweinehund“ in den Griff kriegen, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, dass es unser Denken und Fühlen ist, das von einem „inneren Schweinehund“ beherrscht wird. Das halten wir für völlig absurd! Und noch etwas ist an dieser Geschichte des „inneren Schweinehundes“ erstaunlich: Wenn unsere Gedanken es nicht einmal schaffen, uns selbst vom Sofa hoch zu bringen, indem wir denken, wir sollten da jetzt nicht herumliegen, wie sollten unsere stressigen Gedanken dann dazu beitragen, bei anderen Menschen eine Verhaltensänderung hervorbringen?

Wie kommt es aber nun dazu, dass wir angeblich gerne Sport machen wollen, es aber dann nicht tun? Schauen wir wieder einmal genauer hin, entdecken wir die Denkstruktur, die uns schon bekannt ist: „Wenn ich erst einmal dies oder das erreicht habe, dann werde ich glücklich sein!“ Wenn Deine einzige Motivation, Dich bewegen zu wollen, daraus besteht, dass Du schlanker oder sportlicher sein willst und Dich das glücklich machen soll, dann kommt Dein Wunsch nach Bewegung nicht aus Deinem wahren Kern heraus, sondern verfolgt nur wieder eine IWAN-Strategie: Er lockt Dich aus Deinem Jetzt weg und verspricht Dir Erfüllung in der Zukunft. Wir wissen bereits, dass das nicht der Weg ist. Wenn Du im „inneren Frieden“ bist, dann ist die Lust am Bewegen einfach da. Oder auch nicht, dann eben nicht. Nur sollen Dich dann die Bewegung und die daraus vielleicht resultierende Gewichtsreduktion nicht mehr glücklich machen, weil Du ja bereits glücklich bist. Es gibt dann keine Gedanken mehr wie „ich sollte“ oder „ich müsste“. Du machst es
oder Du machst es nicht! Nur, dass aus Deinem Verhalten dann kein Problem mehr gemacht wird!

Natürlich kann man an dieser Stelle einwenden, dass es körperlich schon dramatisch werden kann, wenn man permanent auf dem Sofa liegt und nicht aufhören kann, Schokolade und Chips zu essen. Wobei man einräumen muss, dass auf dem Sofa liegen alleine nicht besonders schädlich ist, wenn man es nicht 24 Stunden am Tag macht. Was aber schädlich für Dich ist, ist die Tatsache, dass IWAN daraus 24 Stunden am Tag ein gedankliches Problem machen kann, dass Du eine Stunde auf dem Sofa gelegen hast, anstatt ins Fitnessstudio zu gehen. Das erzeugt in Dir einen Dauerstress, der weitaus schädlicher ist. Zum anderen sind im Übermaß verzehrte Lebensmittel auch nur wieder ein Konzept des „inneren Wesen“. Es erklärt Deinen „inneren Unfrieden“ damit, dass Du in diesem Moment einfach nicht genug – in diesem Fall – gegessen hast. Das „nicht genug“ gilt nicht nur für materielle Dinge, die wir anhäufen, sondern kann sich auch massiv auf unsere Essgewohnheiten auswirken. IWAN will mehr.

Das, was wir durch IWAN erreicht haben, bringt uns niemals das, was wir eigentlich wirklich erreichen wollen; unseren „inneren Frieden“. Durch die Brille unseres „inneren Wesens“ betrachtet, sieht es jetzt so aus, als wäre nicht der Weg falsch, sondern nur die Menge der Dinge, die für uns vorhanden sind. So hat im Fall der Nahrungsaufnahme unser Wunsch, noch mehr zu essen, mit unserem körperlichen Bedürfnis nach Nahrung überhaupt nichts mehr zu tun. Durch IWANs Dauergeplapper sind wir nicht mehr mit unserem wahren Körperbedürfnis in Verbindung. Es ist also nicht unser wahres Selbst, das dieses ständige Essen müssen hervorruft, sondern es sind IWANs Gedanken und die damit einhergehenden Gefühle, die unser Verhalten beeinflussen.

Wir erkennen dieses Verhalten an anderen, wenn es pathologische Formen annimmt. Im Falle einer Ess-Brechsucht zum Beispiel wird deutlich, dass es hier nicht einfach nur um die Nahrungsaufnahme geht, sondern Gedanken und Gefühle dieses Verhalten hervorbringen.

Was im Falle der Nahrungsaufnahme noch hinzukommt: Wir haben dazu viele unterschiedliche Programme gespeichert, die uns von unserem Gespür für unser tatsächliches körperliches Bedürfnis nach Nahrung weggebracht haben. Ansagen aus der Kindheit wie „Iss Deinen Teller gefälligst leer!“ oder „Du kommst mir nicht ohne Frühstück aus dem Haus!“ haben viele von uns sicher noch in den Ohren. Wir mussten essen, ob wir gerade Hunger verspürten, oder nicht. Wir haben dadurch unbewusst gelernt, dass andere viel besser beurteilen können, ob wir etwas essen müssen. Und dass es scheinbar Regeln gibt, die bestimmen, wann wir zu essen haben. Im Zweifel morgens, mittags und abends. Auf irgendein Hungergefühl kommt es da wohl nicht an. Sonst hätte man uns ja gefragt. Hinzu kommt, dass bestimmte Nahrungsmittel in unserer Kindheit gerne auch mal dafür verwendet wurden, uns zu trösten oder uns in bestimmten Situationen ruhig zu stellen. Das ist auch der Grund, warum wir Eis oder Schokolade essen wollen, wenn wir traurig sind. Wir glauben, diese Dinge bringen uns Trost. Das wiederum führt dann dazu, dass wir auf dem Sofa liegen, Stress empfinden, weil wir nicht joggen sind, und Chips oder Schokolade uns über unser Verhalten hinweg trösten sollen. Den Rest kennst Du ja …

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